Biogas-Branche kämpft mit Rechtsunsicherheit trotz wachsender Nachfrage und politischer Fortschritte
Lara KellerBiogas-Branche kämpft mit Rechtsunsicherheit trotz wachsender Nachfrage und politischer Fortschritte
Biogas-Betreiber in Deutschland stehen vor anhaltender Rechtsunsicherheit, da die EU-Kommission die Genehmigung des neuen Biogasgesetzes verzögert. Dies geschieht trotz jüngster politischer Verbesserungen, die die flexible Stromerzeugung aus Biogasanlagen fördern sollen. Viele Unternehmen der Branche warten nun auf Klarheit und versuchen sich gleichzeitig an die sich ändernden Vorschriften anzupassen.
Das Interesse an Biogas ist seit 2023 deutlich gestiegen, wobei Ausschreibungen regelmäßig überzeichnet sind. Dennoch blieben viele Bewerber ohne Verträge, was den Druck auf bestehende Betreiber erhöht. Allein in Nordrhein-Westfalen erzeugen rund 1.100 Biogasanlagen unabhängig von Wetterbedingungen Strom und Wärme – eine stabile Energiequelle.
Ein Beispiel ist die Familie Bennings, die ihre Abläufe anpassen musste. Nach dem Wegfall der Förderung für eine ihrer fünf Kraft-Wärme-Kopplungs-(KWK-)Anlagen stellte sie diese still. Dennoch ersetzt ihre Anlage in Maria Veen jährlich etwa 700 MWh Erdgas durch Biogaswärme. Die Familie plant nun, den Standort für eine flexiblere, nachfrageorientierte Stromerzeugung auszubauen und an künftigen Ausschreibungsrunden teilzunehmen.
Das Biogas-Paket, das Ende 2024 verabschiedet wurde, schuf bessere Rahmenbedingungen für Anlagen, die Strom flexibel ins Netz einspeisen. Dies passt zu den übergeordneten Energiezielen: Eine Studie aus dem Jahr 2024 deutet darauf hin, dass Biogas bis 2040 etwa die Hälfte des deutschen Strombedarfs in wind- und sonnenarmen Phasen decken könnte. Aktuell trägt Biogas rund 12 Prozent des erneuerbaren Stroms und über sechs Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland bei.
Doch die Verzögerung der EU-Genehmigung lässt die Betreiber in der Schwebe. Dabei bleibt Biogas ein zentraler Baustein der deutschen erneuerbaren Energien. Bei entsprechender Unterstützung könnte der Sektor in den kommenden Jahrzehnten bis zu 50 Prozent des verbleibenden Strombedarfs des Landes decken. Bis dahin passen sich Unternehmen wie die Familie Bennings weiter an – in der Hoffnung auf baldige klare Regelungen.






