Bundesrechnungshof warnt vor Finanzkrise durch 500-Milliarden-Fonds und Schuldenpolitik
Marie WolfBundesrechnungshof warnt vor Finanzkrise durch 500-Milliarden-Fonds und Schuldenpolitik
Kay Scheller, der Präsident des Bundesrechnungshofs, hat vor einer wachsenden Finanzkrise in den öffentlichen Haushalten gewarnt. Er wirft Politikern vor, sich auf schuldenfinanzierte Programme zu stützen, statt die unhaltbaren Versprechen anzugehen. Seine Äußerungen richten sich insbesondere gegen einen 500-Milliarden-Euro-Sonderfonds und die steigende Staatsverschuldung.
Im Fokus steht der 2025 eingerichtete Infrastruktur- und Klimaneutralitätsfonds (SVIK) über 500 Milliarden Euro, der je 100 Milliarden an Länder, Kommunen und den Klimaschutz- und Transformationsfonds (KTF) verteilt, während 300 Milliarden für Bundesprojekte in den Bereichen Verkehr, Energie und Bildung vorgesehen sind. Erste Ausgaben in den Jahren 2025–2026 haben die Auftragseingänge im Baugewerbe bereits um 6,8 Prozent steigen lassen. Kritiker monieren jedoch, dass Gelder teilweise in Nebensächlichkeiten wie Baumpflanzungen oder Sportvereine fließen – statt in dringende Infrastrukturvorhaben.
Scheller bezeichnete den Fonds als ein "kolossales Taschenspielertrick" und warnte, dass sein ursprüngliches Ziel – die Klimaneutralität bis 2045 – gefährdet sei. Zudem stellte er infrage, ob solche Finanzmanöver verfassungswidrig sein könnten. Seine Bedenken gelten auch der explodierenden Staatsverschuldung, die bis 2029 voraussichtlich 2,7 Billionen Euro erreichen wird.
Der Rechnungshofpräsident kritisierte außerdem die Praxis, ständig nach zusätzlichen Mitteln zu rufen, anstatt Ausgabenprioritäten zu überdenken. Angesichts steigender Zinsen betonte er, dass neue Kredite die Schuldenlast weiter verschärften. Scheller forderte die Verantwortlichen auf, sich der Realität zu stellen: "Wir können uns die alten Versprechen schlicht nicht mehr leisten."
Seine Warnungen verdeutlichen die wachsende Kluft zwischen ehrgeizigen Klimazielen und finanziellen Spielräumen. Zwar kurbelt der 500-Milliarden-Fonds kurzfristig Investitionen an, doch steht er wegen Fehlsteuerung und rechtlicher Risiken in der Kritik. Ohne Reformen könnten steigende Schulden und ineffiziente Mittelverwendung die fiskalischen Herausforderungen Deutschlands in den kommenden Jahren weiter verschärfen.