Die größten Aprilscherze der Medien – und warum sie uns immer noch täuschen
Lara KellerDie größten Aprilscherze der Medien – und warum sie uns immer noch täuschen
Seit Jahrzehnten sorgt der 1. April für einige der denkwürdigsten Medienpannen. Von erfundenen Sportstars bis zu nicht existierenden Autoren haben Scherzbolde es immer wieder geschafft, große Medienhäuser dazu zu bringen, aufwendige Falschmeldungen zu verbreiten. Einer der langlebigsten Streiche ist eine fingierte Parade in New York, die der Künstler Joey Skaggs seit 1986 inszeniert.
1985 narte Sports Illustrated seine Leser mit einer Geschichte über Hayden "Sidd" Finch, ein angebliches Pitching-Talent der New York Mets, das angeblich einen Fastball mit 270 km/h werfen konnte. Die ganze Geschichte war eine Erfindung des Reporters George Plimpton, der einen Freund als Finch für gestellte Fotos einsetzte. Der Artikel malte Finch als exzentrische Figur mit einer unwahrscheinlichen Vergangenheit – doch viele nahmen die Behauptung ernst.
Ein weiterer prominenter Scherz ereignete sich 1998, als David Bowie eine Eröffnungsfeier für einen neuen Verlag ausrichtete. Im Mittelpunkt stand der fiktive britische Schriftsteller William Boyd, der sich Jahre später, in einem Essay von 2011, als Fälschung entpuppte. Boyd gab zu, nie existiert zu haben, und entlarvte so den Schwindel lange nach der Veranstaltung.
Joey Skaggs hält die Tradition mit seiner jährlichen Fifth-Avenue-Parade am Leben – ein Scherz, der die Glaubwürdigkeit der Medien auf die Probe stellen soll. Jedes Jahr verfasst er eine detaillierte Pressemitteilung und nutzt gesammelte Zeitungsausschnitte, um eine glaubwürdige Geschichte zu konstruieren. Die eigentliche Veranstaltung bleibt minimal, doch die gefälschten Ankündigungen veranlassen oft renommierte Medien wie die New York Times, CNN oder die BBC, zunächst zu berichten, bevor sie ihre Meldungen zurückziehen müssen. Zwischen 2020 und 2025 dokumentierten Faktenchecker wie Snopes zahlreiche Fälle, in denen Universitäten, Museen und Redaktionen auf seine Fälschungen hereinfielen – von erfundenen Prominententoden bis zu absurden Erfindungen.
Skaggs beschreibt seine Arbeit als Möglichkeit, "den Menschen ihr Recht zu erinnern, über Autoritäten zu lachen", und hinterfragt damit das blinde Vertrauen in die Medien. Seine Streiche, obwohl humorvoll, decken immer wieder Lücken in der journalistischen Überprüfung auf.
Diese Falschmeldungen zeigen, wie leicht sich falsche Geschichten verbreiten – selbst in seriösen Quellen. Zwar korrigieren die Medien die Berichte irgendwann, doch die Scherze dienen als wiederkehrende Lektion in Medienkompetenz. Faktenchecker und öffentliche Institutionen beobachten Aprilscherze mittlerweile genauer, doch die Tradition, Glaubwürdigkeit zu testen, bleibt bestehen.






