13 March 2026, 04:04

Düsseldorfs dunkles Erbe: Wie zwei antisemitische Anschläge die Stadt bis heute prägen

Ein Gemälde, das ein Feuer zeigt, das in einem Gewässer brennt, mit einem Boot voller Menschen, umgeben von Gebäuden, Bäumen und einem Himmel, mit dem Text "Düsseldorf, die Belagerung der Stadt Dresden, 1685" unten.

Düsseldorfs dunkles Erbe: Wie zwei antisemitische Anschläge die Stadt bis heute prägen

Vor 25 Jahren erschütterten zwei gewalttätige antisemitische Anschläge Düsseldorf und hinterließen tiefe Spuren in der jüdischen Gemeinschaft der Stadt. Bei den Vorfällen – ein Brandanschlag auf eine Synagoge und eine Bombenexplosion in einem S-Bahnhof – wurden nicht nur körperliche Schäden angerichtet, sondern auch Ängste geschürt, die bis heute nachwirken. Zwar gab es Verurteilungen für einen der Anschläge, doch der Bombenleger ist weiterhin auf freiem Fuß – und viele trauen sich noch immer nicht, ihre jüdische Identität in der Öffentlichkeit offen zu zeigen.

Der erste Angriff ereignete sich in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2000, als ein Brandanschlag die Synagoge beschädigte. Verletzt wurde niemand, doch die Tat löste Bestürzung aus. Weniger als ein Jahr später, am 27. Juli 2000, explodierte eine Bombe am S-Bahnhof Wehrhahn und verletzte zehn Menschen – sechs von ihnen gehörten jüdischen Gemeinden an.

Die Täter handelten aus antisemitischen Motiven und wollten sich für die Tötung eines palästinensischen Jugendlichen durch israelische Soldaten im Gazastreifen rächen. Zwei der Angreifer wurden später wegen des Synagogenanschlags verurteilt. Der Attentäter des Bahnhofsanschlags jedoch entging einer vollständigen strafrechtlichen Verfolgung, obwohl es zu einer Festnahme und einem Prozess kam.

Die Gewaltwelle löste in ganz Deutschland Empörung aus. In mehreren Städten kam es zu Solidaritätskundgebungen, bei denen die Bevölkerung ihre Unterstützung für die jüdische Gemeinschaft zeigte. Doch selbst Jahrzehnte später vermeiden es viele nach wie vor, ihre jüdische Identität außerhalb geschützter Räume preiszugeben – aus Angst, die bis heute spürbar ist.

Michael Szentei-Heise, ehemaliger Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, hat immer wieder betont, wie wichtig anhaltende Wachsamkeit sei. In diesem Jahr wird die Gemeinde neben dem Gedenken an den Synagogenanschlag auch an die Opfer des Hamas-Terrorangriffs vom 7. Oktober 2023 erinnern.

Die Anschläge des Jahres 2000 veränderten die Sicherheitsbedenken der Düsseldorfer Jüdinnen und Juden nachhaltig. Zwar konnten die Täter des Synagogenbrandes verurteilt werden, doch der ungesühnte Bombenanschlag wirft weiterhin Fragen auf. Für viele bleibt die Furcht vor Antisemitismus allgegenwärtig – und prägt noch ein Vierteljahrhundert später den Alltag und die öffentliche Identität.

Quelle