14 March 2026, 12:04

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – und damit soziale Projekte für Obdachlose

Schwarzes und weißes Porträt einer Frau auf dem Cover eines Magazins, ihr Gesicht ist sichtbar mit Blick zur Seite und leicht geöffneten Lippen, sie trägt ein weißes Kleid und einen gemusterten Schal, mit der Aufschrift "Die Krise" auf dem Cover.

Düsseldorfs "fiftyfifty" kämpft ums Überleben – und damit soziale Projekte für Obdachlose

Düsseldorfs "fiftyfifty"-Magazin, das von obdachlosen Verkäufer:innen angeboten wird, verzeichnet einen drastischen Rückgang seiner monatlichen Auflage – von einst 40.000 auf weniger als 12.000 Exemplare. Der Einbruch spiegelt die allgemeinen Krisen der Printmedienbranche wider, verschärft durch eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber den Verkäufer:innen, von denen viele Migrationshintergrund haben. Ohne die Einnahmen aus dem Magazin stehen nun zentrale soziale Projekte auf dem Spiel: Straßenhilfe, medizinische Versorgung für herrenlose Hunde und Wohnrauminitiativen könnten wegbrechen.

Die Idee hinter "fiftyfifty" ist simpel, aber wirkmächtig: Ein Magazin, das Obdachlosen ein würdevolles Einkommen ermöglicht. Die Verkäufer:innen kaufen die Ausgaben zum halben Ladenpreis und behalten den Gewinn aus jedem Verkauf. Die digitale Version funktioniert wie eine Loskarte – so erhalten die Verkäufer:innen auch hier ihren Anteil. Neben dem Verkauf finanziert das Projekt seine soziale Arbeit durch Spenden und eine Wohltätigkeitsgalerie.

Von Anfang an war "fiftyfifty" mehr als nur ein Nachrichtenmagazin. Es diente als Plattform für Advocacy-Arbeit, deckte Missstände auf und kämpfte gegen die Diskriminierung von Obdachlosen. Für viele Verkäufer:innen bietet es zudem ein Gefühl von Zugehörigkeit und Schutz in einer Stadt, in der sie oft unsichtbar sind. Die Präsenz des Magazins hält das Thema Obdachlosigkeit in der öffentlichen Diskussion – es verbindet Verkäufer:innen, Leser:innen und die breitere Gemeinschaft.

Doch die vergangenen fünf Jahre brachten massive Herausforderungen: Die COVID-19-Pandemie ließ den Straßenverkauf einbrechen, während steigende Produktionskosten und sinkende Nachfrage den Preis auf 3,40 Euro pro Ausgabe trieben. Deutschlandweit ist die Zahl ähnlicher Straßenmagazine von etwa 30 auf 25 gesunken – bedingt durch die Digitalisierung und wirtschaftliche Zwänge. Für "fiftyfifty" stellt jedoch die wachsende Welle von Rassismus und Aggression gegen seine Verkäufer:innen die größte Bedrohung dar.

Ohne stabile Verkäufe gerät die Finanzierung der sozialen Projekte ins Wanken. Programme, die bisher von den Magazin-Einnahmen abhängen – wie die tierärztliche Versorgung für Streuner, Notunterkünfte oder aufsuchende Sozialarbeit – könnten gekürzt oder ganz eingestellt werden.

Der Auflagenrückgang zwingt "fiftyfifty", die Preise zu erhöhen und nach alternativen Einnahmequellen zu suchen. Sein Überleben hängt nun von stabilen Verkäufen, Spenden und öffentlicher Unterstützung ab. Hält der Trend an, wird der Verlust weit über das Magazin hinausreichen – und vor allem Obdachlose sowie die sozialen Dienstleistungen treffen, auf die sie angewiesen sind.

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