30 March 2026, 00:04

Ein Leben zwischen Folter und Hoffnung: Der Fall Thomas Frauendienst

Eine historische Dokumentenillustration des Prozesses zeigt ein Papier mit Porträts, Vorhängen und Text, der sich auf den Prozess gegen Lord Baltimore bezieht.

Ein Leben zwischen Folter und Hoffnung: Der Fall Thomas Frauendienst

Thomas Frauendienst kam am 23. März 1964 mit angeborenen spastischen Klumpfüßen zur Welt. Noch in derselben Nacht wies seine Familie ihn zurück, und er wurde ins Johanna-Helene-Heim nach Volmarstein gebracht. Dort erlitt er jahrelangen Missbrauch, darunter wiederholte Vergewaltigungen, erzwungene Operationen und medikamentöse Versuche ohne seine Zustimmung.

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Von Geburt an war Frauendienst Vernachlässigung und Grausamkeit ausgesetzt. Das Personal der Einrichtung stempelte ihn als "Krüppel" ab und ließ ihn schwer unterernährt zurück. Spätere Krankenakten zeigten, dass er unter der Nummer 2033 in einem Buch mit dem Titel "Kinder in Sonderverwendung" registriert war – ein Verzeichnis, das vom damaligen Chefarzt der Klinik geführt wurde.

Über 16 Jahre hinweg wurde er mehr als 80 Operationen und unzähligen nicht genehmigten Medikamenten unterzogen. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zu Heimen in Nordrhein-Westfalen bestätigte, dass Psychopharmaka routinemäßig an Kinder verabreicht wurden, um die Einrichtungen leichter kontrollieren zu können. Rund 20 Prozent der Jugendlichen in solchen Heimen erlitten ähnlichen Missbrauch, oft verbunden mit körperlicher und sexueller Gewalt.

Frauendienst' Martyrium endete erst 1968, als eine junge Diakonisse drohte, die Missstände öffentlich zu machen. Seine Familie, zwar emotional distanziert, nahm ihn schließlich bei sich auf. Jahrzehnte später erhielt er von der Diakonie Rheinland/Westfalen-Lippe eine Entschädigung von 5.000 Euro für die erlittene sexuelle Gewalt. Trotz des Traumas hat er mittlerweile mit seinen verstorbenen Eltern Frieden geschlossen.

Sein Fall ist einer von vielen, die im Zuge der Heimskandale in NRW aufgedeckt wurden. Die Studie belegt systematischen Missbrauch, darunter Zwangsmedikation und unethische medizinische Experimente. Die Entschädigung stellt eine kleine Anerkennung des Leids dar, das schutzbedürftigen Kindern in institutioneller Obhut zugefügt wurde.

Quelle