Michael Brand wird erster hauptamtlicher Antiziganismus-Beauftragter der Bundesregierung
Sebastian HuberMichael Brand wird erster hauptamtlicher Antiziganismus-Beauftragter der Bundesregierung
Michael Brand hat nun dauerhaft das Amt des ersten hauptamtlichen Beauftragten der Bundesregierung gegen Antiziganismus übernommen. Seine Ernennung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Besorgnis über den zunehmenden Hass gegenüber Sinti und Roma. Aktuelle Daten zeigen einen deutlichen Anstieg gemeldeter Vorfälle – ein alarmierendes Signal für die Dringlichkeit des Themas.
Allein im vergangenen Jahr verzeichnete die Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) in Berlin einen Anstieg antiziganistischer Vorfälle um 30 Prozent. Dieser besorgniserregende Trend spiegelt eine breitere Zunahme von Feindseligkeiten gegen Minderheiten wider, wobei rechtsextreme Strömungen als größte Gefahr gelten. Brand sieht das Problem tief in einer gesellschaftlichen Akzeptanz von Hass verwurzelt.
Sein Amt wurde nach öffentlichem Druck in eine feste Position umgewandelt. Als Parlamentarischer Staatssekretär im Familien- und Bildungsministerium verfügt er nun über mehr Einfluss, um Veränderungen voranzutreiben. Zu seinen Plänen gehören die stärkere Sichtbarmachung von Vorfällen, die Unterstützung von Betroffenen sowie die Durchsetzung der Rechte von Sinti und Roma.
Um strukturelle Missstände zu bekämpfen, bereitet Brand eine Kabinettsvorlage für eine unabhängige Kommission vor. Diese soll die lange Geschichte von Diskriminierung und Gewalt gegen Roma aufarbeiten. Zudem unterstützt er Schulungsprogramme für die Polizei, um Fehlverhalten zu reduzieren und das Verhältnis zu Minderheitengruppen zu verbessern.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Bildungsreformen. Über die Bund-Länder-Kommission gegen Antiziganismus will Brand bessere Chancen für Sinti und Roma schaffen. Zudem schließt er einen Staatsvertrag zwischen Regierung und Roma-Organisationen nicht aus – betont jedoch, dass diese sich zunächst intern besser vernetzen müssten.
Kürzlich relativierte Brand die umstrittenen Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz zum "Stadtbild" und stellte klar, dass diese sich nicht gegen Sinti und Roma richteten. Gleichzeitig verstärken Bundesländer wie Baden-Württemberg ihre Antirassismus-Bemühungen, etwa durch Initiativen des Flüchtlingsrats und des Antira-Netzwerks.
Der Anstieg gemeldeter Vorfälle unterstreicht die Notwendigkeit entschlossenerer Maßnahmen gegen Antiziganismus. Brands Aufgabe als Beauftragter umfasst die Förderung politischer Reformen, die Unterstützung von Opfern und die Verbesserung des Bildungszugangs. Seine Arbeit fällt in eine Zeit, in der Deutschland vor wachsenden Herausforderungen im Kampf gegen Rechtsextremismus und beim Schutz von Minderheitenrechten steht.