NRW-Tafeln kämpfen ums Überleben – Schließungen bedrohen tausende Bedürftige
Sebastian HuberNRW-Tafeln kämpfen ums Überleben – Schließungen bedrohen tausende Bedürftige
Tafeln in Nordrhein-Westfalen stehen vor wachsender Unsicherheit – mehrere Standorte drohen zu schließen
In ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) sehen sich die Tafeln mit zunehmender Unsicherheit konfrontiert, da mehrere wichtige Standorte vor der Schließung stehen. Die Moerser Tafel, ein zentraler Knotenpunkt für die Region, könnte ihre Räumlichkeiten verlieren, nachdem der Vermieter beschlossen hat, die Fläche zurückzufordern. Dies geschieht zu einer Zeit, in der andere Niederlassungen – darunter die in Düsseldorf – bereits umziehen mussten und tausende Bedürftige ohne zuverlässigen Zugang zu Lebensmitteln zurückbleiben.
Die Moerser Tafel betreibt seit Jahren von ihrem aktuellen Standort aus ein Verteilzentrum für 14 kleinere Tafeln im Niederrhein-Gebiet. Raffaele Corda, der Leiter der Einrichtung und seit 14 Jahren ehrenamtlich tätig, warnte, er könnte zurücktreten, falls kein Ersatzstandort gefunden werde. Der Mietvertrag läuft bald aus, und der Vermieter hat deutlich gemacht, dass das Gebäude künftig nicht mehr für die Tafel zur Verfügung stehe.
Das Problem beschränkt sich nicht auf Moers. In Düsseldorf hat die örtliche Tafel bereits ihre Räumlichkeiten verloren, und auch der Bonner Standort könnte als Nächster betroffen sein, wie der Landesverband Tafel NRW mitteilt. Landesweit betreiben über 170 unabhängige Tafeln rund 500 Ausgabestellen und versorgen schätzungsweise 400.000 Menschen mit Lebensmitteln. Doch genaue Zahlen für 2023 liegen nicht vor, da die Aufzeichnungen nicht ausweisen, wie viele Personen im vergangenen Jahr auf diese Hilfe angewiesen waren.
Der Sozialwissenschaftler Professor Fabian Kessl kritisiert die Abhängigkeit des Systems von freiwilligen Spenden. Ohne einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung seien benachteiligte Menschen permanent unsicher gestellt, argumentiert er. Verschärft wird die Lage durch die finanzielle Not: In NRW muss eine alleinstehende Person, die Bürgergeld bezieht, mit nur 563 Euro im Monat auskommen.
Der Verlust der Standorte in Moers, Düsseldorf und möglicherweise Bonn bedroht die Lebensmittelhilfe für tausende Menschen. Da keine Ersatzräume garantiert sind, könnte es für die lokalen Tafeln schwierig werden, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Für viele in NRW könnte der Wegfall dieser Einrichtungen den Verlust einer lebenswichtigen Stütze in einer ohnehin schon angespannten finanziellen Situation bedeuten.






