RAW-Gelände in Friedrichshain: Räumung droht nach gescheiterten Verhandlungen
Lara KellerRAW-Gelände in Friedrichshain: Räumung droht nach gescheiterten Verhandlungen
Die Zukunft des Berliner RAW-Geländes in Friedrichshain bleibt ungewiss – nach fast elf Jahren Verhandlungen.
Der Eigentümer, die Kurth Group, hat den Planungsprozess nun für gescheitert erklärt. Mieter, darunter der bekannte Club Cassiopeia, müssen damit rechnen, das Gelände in den kommenden Wochen zu verlassen.
Am Samstagabend pulsierte das RAW-Gelände noch wie gewohnt vor Leben: Bei einer öffentlichen Übertragung eines Fußballspiels herrschte reger Betrieb. Doch hinter den Kulissen spitzt sich der Konflikt zwischen Bezirk und Investor weiter zu. Streitpunkt ist ein Rahmenvertrag aus Mitte Mai, den die Kurth Group als gebrochen ansieht – mit dem Vorwurf, frühere Zusagen seien ignoriert worden.
Die Kurth Group hatte das Areal 2015 erworben, stand seitdem jedoch in der Kritik, kommerzielle Bebauung über den Erhalt der subkulturellen Wurzeln zu stellen. 2022 einigte man sich zwar auf den Schutz von 70 Projekten mit langfristig günstigen Mieten – doch 2024 brach die Gruppe die Verhandlungen ab.
Der aktuelle Stillstand geht auf die Forderung des Investors zurück, bereits vor Abschluss der Planung Baurechte zu erhalten. Ohne Zustimmung des Bezirks und einen finalen Bebauungsplan kann jedoch nichts gebaut werden. Florian Falkenhagen, Geschäftsführer des Cassiopeia, erhielt mündlich die Aufforderung, den Club bis Ende des Monats zu räumen. Auch andere Projekte müssen kurzfristig mit einem Auszug rechnen.
Stadtentwicklungsexperten wie Julian Schwarze beobachten den Konflikt mit Sorge: Der Streit um das RAW-Gelände offenbare strukturelle Schwächen in Berlins Bodenpolitik. Ohne Kurskorrektur, warnt er, könnten ähnliche Freiräume unwiederbringlich verloren gehen. Die langfristige Zukunft des Geländes bleibt vorerst in der Schwebe.






