Rechtsextremisten sagen Aufmarsch in Münster an Heiligabend überraschend ab
Lara KellerRechtsextremisten sagen Aufmarsch in Münster an Heiligabend überraschend ab
Rechtsextremisten haben ihren geplanten Aufmarsch in Münster an Heiligabend abgesagt. Die Entscheidung folgt auf monatelange Proteste im Zusammenhang mit einem Streit um das Grab eines Neonazis in Dortmund. Lokale Gruppen begrüßen den Rückzug, bleiben jedoch wachsam.
Der Konflikt entzündete sich am Grab von Siegfried "SS-Siggi" Borchardt, einem verstorbenen Neonazi. Rechtsextremisten hatten in Dortmund eine nicht-anonyme Bestattungsstätte gefordert, was zu wiederholten Demonstrationen führte. Diese Proteste konzentrierten sich oft auf das Oberverwaltungsgericht in Münster und zogen rechtsextreme Aktivisten aus Dortmund und der Umgebung an.
Noch in diesem Jahr hatte das Bündnis "Keinen Meter den Nazis" Gegenproteste gegen die Aufmärsche organisiert. Dessen Sprecher, Carsten Peters, erklärte, die Proteste hätten Wirkung gezeigt – zumindest vorerst. Die rechtsextremen Gruppen wollten sich demnach nicht mehr in Münster versammeln; er nannte dies einen "vorläufigen Erfolg".
Trotzdem war für Heiligabend ein weiterer Aufmarsch geplant gewesen. Doch die Organisatoren zogen ihre Anmeldung kürzlich zurück. Das Bündnis "Keinen Meter den Nazis" zeigte sich erleichtert, kündigte aber an, die eigene Gegendemonstration wie geplant durchzuführen.
Die Dortmunder Behörden lehnen es seit Langem ab, Borchardts Grab zu einer Neonazi-Pilgerstätte werden zu lassen. Zwar gab es in Einzelfällen ähnliche Auseinandersetzungen um rechtsextreme Gräber – etwa bei Kerzenablagen auf einem Kriegsgräberfeld in Hofkirchen –, doch ein flächendeckendes Muster hat sich in den letzten Jahren nicht herausgebildet.
Die Absage des Aufmarsches an Heiligabend bedeutet eine vorläufige Pause im anhaltenden Konflikt. Die Stadt Dortmund bleibt entschlossen, jede Verherrlichung rechtsextremer Figuren zu verhindern. Gleichzeitig sind lokale Aktivisten darauf vorbereitet, künftigen rechtsextremen Versammlungen entgegenzutreten.






