17 March 2026, 00:37

Wagner-Inszenierung in Stuttgart löst Eklat nach Celan-Lesung aus

Ein Vintage-Plakat mit einer Frau in einem weißen Kleid, die eine Harfe spielt und ein Mikrofon hält, mit der Aufschrift "Geschichten der Wagner-Oper" oben und einer Menge im Hintergrund.

Wagner-Inszenierung in Stuttgart löst Eklat nach Celan-Lesung aus

Eine aktuelle Inszenierung der Meistersinger von Nürnberg in Stuttgart löste kürzlich eine Kontroverse aus, als Zuschauer während einer Aufführung buhten. Der Protest entbrannte, nachdem die Regisseurin Elisabeth Stöppler eine Lesung von Paul Celans Todesfuge über Wagners Vorspiel zum dritten Akt eingebettet hatte. Sowohl Stadtvertreter als auch das Stuttgarter Staatstheater verurteilten die Störung im Nachhinein scharf und bezeichneten sie als respektlos gegenüber dem Werk des Holocaust-Überlebenden.

Der Vorfall ereignete sich am 8. Februar 2026 während der Premierewoche der Oper. Die Theaterleitung verteidigte die künstlerische Entscheidung als bewusste Auseinandersetzung mit Wagners problematischem Erbe aus der NS-Zeit. Gleichzeitig kündigte man strengere Sicherheitsvorkehrungen für künftige Vorstellungen an und betonte erneut das Bekenntnis zur künstlerischen Freiheit.

Das Buhkonzert begann, als Celans Gedicht – eine erschütternde Reflexion über den Holocaust – parallel zu Wagners Musik vorgetragen wurde. Stuttgarts Kommunikationschef kritisierte die Reaktion als "respektlos", insbesondere angesichts von Celans Geschichte als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Stadt und Theaterdirektion veröffentlichten später eine gemeinsame Erklärung, in der sie sich von rechtsextremen Hetzern distanzierten und die Unterbrechungen verurteilten.

Ein Beobachter, der die Inszenierung zunächst befremdlich fand, gab zu, die emotionale Heftigkeit der Reaktion nachvollziehen zu können. Er erinnerte sich an eine ähnliche Erfahrung vor 26 Jahren, als ein fragmentarisch gestalteter Ring-Zyklus in Stuttgart – inszeniert von vier verschiedenen Künstlern – eigenen Ärger ausgelöst hatte. Damals hatte er dies als Affront gegen Wagners Vision empfunden. Doch nach einiger Reflexion änderte sich seine Perspektive, und ebenjene Produktion wurde schließlich zu einer seiner kostbarsten Opernerinnerungen.

Der Beobachter räumte ein, dass Kunst ungeschönte, rohe Reaktionen hervorrufen kann. Zwar verurteilte er das Ausbuhen der Sänger während der Aufführung, erkannte aber an, wie tief verwurzelte Überzeugungen die Kontrolle über Vernunft gewinnen können. Das Theater hingegen bekräftigte, seinen künstlerischen Kurs beizubehalten, während es gleichzeitig für ein sicheres Umfeld für Publikum und Künstler sorgen wolle.

Das Stuttgarter Staatstheater wird die geplanten Vorstellungen der Meistersinger wie vorgesehen fortsetzen – inklusive der Celan-Lesung. Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen sollen weitere Störungen verhindern. Die Verantwortlichen betonten, die Produktion ziele darauf ab, Wagners Erbe zu hinterfragen, nicht zu verherrlichen, und dass die Freiheit der künstlerischen Äußerung weiterhin Priorität habe.

AKTUALISIERUNG

Opernvorstellung verläuft ununterbrochen nach Kontroverse

Die Meistersinger-Aufführung fand wie geplant nach der Störung am 8. Februar statt. Weitere Details sind:

  • Vorstellungen am 1., 8., 14. und 22. März 2026, wobei die letzte Vorstellung als 'zum letzten Mal in dieser Saison' markiert ist.
  • Michael Volle wurde als Hans Sachs nur für die Vorstellung am 22. März bestätigt.
  • Es wurden keine weiteren Störungen des Publikums trotz erhöhter Sicherheitsmaßnahmen gemeldet.