12 April 2026, 18:05

Wie der Ford-Streik 1973 in Köln Migrant:innen gegen Rassismus und Ausbeutung vereinte

Schwarzes und weißes Foto einer Fabrik mit Arbeitern, die Maschinen bedienen, umgeben von Metallstangen und -pfählen, beschriftet mit "Neue Eisengießerei, die erste Fabrik in Deutschland."

Wie der Ford-Streik 1973 in Köln Migrant:innen gegen Rassismus und Ausbeutung vereinte

Ein neues Buch beleuchtet einen Schlüsselmoment der deutschen Arbeitsgeschichte: den Ford-Streik von 1973 in Köln

Vor allem von migrantischen Arbeiter:innen getragen, markierte der Protest einen Wendepunkt im Kampf gegen Ausbeutung und Rassismus. Der von Historiker:innen und Aktivist:innen herausgegebene Essayband zeigt, wie der Streik die Selbstermächtigung von Migrant:innen prägte.

Am 30. August 1973 legten Beschäftigte im Kölner Ford-Werk die Arbeit nieder – aus Protest gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne. Ihre zentrale Forderung: eine zusätzliche Deutsche Mark pro Stunde. Doch es ging ebenso um Würde. Migrantische Arbeiter:innen, die von Vorarbeitern und einigen deutschen Kolleg:innen schikaniert wurden, trieben den Streik voran. Die Antwort von Polizei und Werksschutz war gewaltsam, sogar einige deutsche Beschäftigte wandten sich gegen ihre migrantischen Kolleg:innen.

Der Band mit dem Titel "Der Streik hat mir als jungem Menschen Kraft gegeben: Migrantische Kämpfe gegen Ausbeutung und Rassismus" untersucht die langfristigen Auswirkungen des Protests. Herausgegeben von Nihat Öztürk, Nuria Cafaro, Bernd Hüttner und Florian Weis, enthält er auch Debatten über die Rolle des Betriebsrats und der IG Metall während des Streiks. Über Ford hinaus analysiert der Band weitere Aktionen von 1973, etwa die von migrantischen Frauen geführten Streiks bei Pierburg in Neuss und Hella in Lippstadt.

Jahrzehnte später gilt der Ford-Streik als Katalysator für die Selbstorganisation von Migrant:innen. Das Buch verbindet diese historischen Kämpfe mit heutigen Arbeitsbewegungen – etwa denen von Fahrradkurier:innen und anderen prekär beschäftigten migrantischen Arbeiter:innen.

Der Ford-Streik von 1973 wird heute als Gründungsmoment antirassistischer und gewerkschaftlicher Aktivismen wiederentdeckt. Die Essays dokumentieren seinen Einfluss auf spätere Bewegungen und zeigen zugleich die anhaltenden Herausforderungen für migrantische Arbeiter:innen auf. Indem die Herausgeber:innen Vergangenheit und Gegenwart verknüpfen, machen sie deutlich: Der Kampf um faire Behandlung nimmt immer neue Formen an.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones
Quelle