Amanda Knox schreibt an verurteilte Baby-Mörderin Lucy Letby – und löst Empörung aus
Marie WolfAmanda Knox schreibt an verurteilte Baby-Mörderin Lucy Letby – und löst Empörung aus
Amanda Knox hat der ehemaligen Krankenschwester Lucy Letby, die wegen der Ermordung von sieben Babys zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, einen Brief sowie ein Exemplar ihrer Autobiografie zugeschickt. Diese Geste wurde während einer kürzlichen Fragerunde in London bekannt, bei der Knox auch über ihre eigenen Erfahrungen mit einem Justizirrtum sprach.
Knox' Buch Frei schildert ihr Leben nach dem Freispruch im Mordfall in Italien und erschien 2021. Ihre Entscheidung, Letby zu kontaktieren, hat heftige Reaktionen ausgelöst – darunter Kritik von der Familie von Meredith Kercher, der britischen Studentin, deren Mord Knox einst zugesprochen wurde.
Bei einer Veranstaltung in London zur Vorstellung ihres Dokumentarfilms Mouth Of The Wolf äußerte Knox ihre Unterstützung für Letby. Ein Zuschauer enthüllte, dass Knox die Verurteilte in ihrem Brief aufgefordert habe, "an der Hoffnung festzuhalten". Knox selbst bestätigte, das Buch und eine Nachricht geschickt zu haben, betonte jedoch, dass es keinen direkten Kontakt zu Letby gebe.
Die Enthüllung erfolgte, als Knox bei der Erwähnung des Mordes an Meredith Kercher – für den sie zunächst verurteilt, später aber in der Berufung freigesprochen wurde – mit den Tränen kämpfte. Sie argumentierte, man brauche keinen absoluten Beweis der Unschuld, um ein Urteil infrage zu stellen – eine Haltung, die sie seit jeher in ihrem eigenen Fall vertritt.
Francesco Maresca, der Anwalt der Familie Kercher, warf Knox vor, sie instrumentalisere Merediths Andenken "schon wieder". Er behauptete, sie "kapitalisiere" die Tragödie aus – ein Vorwurf, den die Familie seit Jahren erhebt. Knox sieht sich weiterhin mit Gegenwind konfrontiert, da einige ihre öffentlichen Äußerungen zum Fall als Versuch werten, aus ihrer Berühmtheit Profit zu schlagen.
Knox' Schreiben an Letby erreicht die ehemalige Krankenschwester zu einem Zeitpunkt, an dem diese gegen ihr Urteil in Berufung geht. Der Austausch hat die Debatte über Justizirrtümer und die Ethik von Prominenten, die sich mit hochkarätigen Häftlingen austauschen, neu entfacht. Unterdessen hat der Anwalt der Familie Kercher betont, dass Knox' Handeln Merediths Vermächtnis missachte.






