02 April 2026, 14:03

Digitale sexualisierte Gewalt: Fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland betroffen

Karte von Australien, die in Rot geschattet ist, um die verschiedenen Prozentanteile von Minderjährigen in den Bundesstaaten anzuzeigen, mit einer Bildunterschrift unten, die besagt: "Minderjährige können wegen einvernehmlichen Sex auf die Sex-Täter-Liste gesetzt werden."

Digitale sexualisierte Gewalt: Fast die Hälfte der Jugendlichen in Deutschland betroffen

Digitale sexualisierte Gewalt betrifft fast die Hälfte der jungen Menschen in Deutschland – Studien zeigen alarmierende Trends

Eine Sonderauswertung der Jugendsexualitätsstudie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) ergibt: 64 Prozent der 14- bis 25-Jährigen haben bereits Formen nicht-körperlicher Gewalt im digitalen Raum erlebt. Expert:innen warnen, dass Prävention deutlich kostengünstiger ist als die Bewältigung der langfristigen Folgen solcher Straftaten.

Ein Vorzeigeprojekt in Thüringen geht das Problem aktiv an: Über drei Jahre hinweg erreichten Präventionsworkshops unter der Leitung von Yasmina Ramdani rund 5.000 Schüler:innen. Im Fokus standen Risiken und Grenzen in digitalen Räumen. Das von der Landesbeauftragten für den Kinderschutz geförderte Programm ist eines der wenigen bundesweiten Initiativen, die frühzeitig gegensteuern.

Cybergrooming betrifft fast jedes vierte Kind Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets wächst auch das Ausmaß digitaler sexualisierter Gewalt. 2025 gab fast ein Viertel der Minderjährigen an, bereits Kontakt zu Täter:innen gehabt zu haben, die sie zunächst in Chats ansprachen, um sie später zu belästigen oder zu missbrauchen. Mädchen und junge Frauen sind dabei doppelt so häufig betroffen wie gleichaltrige Jungen – langfristige Trenddaten fehlen jedoch in den offiziellen Statistiken.

Häufig passiert die Gewalt im eigenen Umfeld Viele Vorfälle ereignen sich in Peer-Groups: In Klassenchats oder Freundeskreisen kommt es oft zu Grenzüberschreitungen, bedingt durch Naivität und mangelnde Medienkompetenz. Begünstigt wird dies durch das unbedachte Teilen von Bildern, die einfache Erreichbarkeit über Plattformen und fehlende Aufklärung durch Erwachsene. Nicht selten sind die Täter:innen selbst Jugendliche – meist männlich – oder zumindest über die Vorfälle informiert.

Prominente Fälle rücken das Thema in den Fokus Auch öffentliche Debatten zeigen die Dimension des Problems: Die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann, Christian Ulmen, machten deutlich, wie digitale Gewalt selbst in persönlichen Beziehungen eskalieren kann. Fachleute betonen, dass Eltern ihr eigenes Verhalten reflektieren und offen mit ihren Kindern über Grenzen sprechen müssen.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Prävention als kostengünstigste Lösung Die Thüringer Workshops von Ramdani richteten sich vor allem an Schüler:innen der fünften bis achten Klasse und vermittelten Wissen über Risiken sowie Hilfsangebote. Das landesgeförderte Programm ist in Deutschland bisher einzigartig – und könnte als Modell für andere Bundesländer dienen.

Die Zahlen belegen: Digitale sexualisierte Gewalt ist weit verbreitet, fast die Hälfte der Jugendlichen ist betroffen. Präventionsmaßnahmen wie in Thüringen zeigen, wie sich Schäden im Vorfeld verringern lassen. Ohne flächendeckende Gegenwehr, warnen Expert:innen, werde das Problem weiterwachsen – mit langfristigen Folgen für Betroffene und die Gesellschaft.

Quelle