Florentina Holzinger revolutioniert Nitschs Erbe mit brutaler Poesie und Technik
Marie WolfFlorentina Holzinger revolutioniert Nitschs Erbe mit brutaler Poesie und Technik
Florentina Holzinger inszeniert ihr erstes Pfingstspiel im Wiener Eislaufverein – eine Mischung aus extremer Körperlichkeit, Technik und radikaler Symbolik
Das Publikum reiste im Anschluss nach Schloss Prinzendorf, wo der zweite Akt an Hermann Nitschs avantgardistisches Erbe anknüpfte.
Die Vorstellung begann mit einem Material-Spektakel: Autos, ein Motorrad und sogar ein Fallschirmsprung. Ein Fallschirmspringer mit Taubenhelm stieg als Heiliger Geist vom Himmel, pflanzte eine weiße Fahne in die Trümmer eines zerquetschten Panzers. Dieser Moment folgte dem Höhepunkt, als ein Monstertruck den Panzer zerstörte – eine inszenierte Friedensbitte.
Holzinger bezog sich auf Nitschs „Malaktionen“, indem sie eine nackte Performerin vor einer Leinwand kreuzigte. Drohnen sprühten rote Farbe über den Körper, verschmolzen Ritual mit moderner Technik. Ein weiteres prägnantes Bild entstand, als eine nackte Frau die Fassade des Hotels Intercontinental hinabstieg – eine Reminiszenz an Trisha Browns Performance von 1970.
Der zweite Teil entfaltete sich in Schloss Prinzendorf, Nitschs spirituellem Zentrum. Holzinger und ihr rein weibliches Ensemble neu interpretierten das „Letzte Abendmahl“ im Schlosshof. Einige Performerinnen schwebten schwebend in der Luft, schufen eine unheimliche, schwerelose Szene. Der Abend endete mit Holzinger und ihren „Jüngerinnen“, die sanft über dem Boden schwebten – ein stiller Kontrast zum früheren Chaos.
Holzingers Werk markiert einen Bruch mit früheren Aktionismus-Traditionen, verbindet extreme Körperlichkeit mit Drohnen und Maschinen. Die Aufführung hinterließ starke Bilder: Zerstörung, Flug und ein letzter Moment zerbrechlicher Anmut. Damit festigte sie ihren Ruf als mutige Interpretin von Nitschs provokativem Erbe.






