GLS Bank schließt Konten linker Gruppen – war es politische Zensur oder Pflicht?
Emil SchmittGLS Bank schließt Konten linker Gruppen – war es politische Zensur oder Pflicht?
GLS Bank gerät nach Schließung von Konten linker Gruppen in die Kritik
Die GLS Bank steht in der Kritik, nachdem sie Konten von linksgerichteten Gruppen geschlossen hat – eine Entscheidung, die Proteste und rechtliche Schritte auslöste. Der Schritt erfolgte vor dem Hintergrund regulatorischen Drucks, verdächtige Transaktionen zu melden, doch die Bank weist jede politische Voreingenommenheit zurück. Auf ihrer jüngsten Mitgliederversammlung sprachen sich die Anwesenden trotz der Kontroverse mit großer Mehrheit für die Bankführung aus.
Der Streit begann, als die GLS Bank Konten der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und anderer Organisationen kündigte. Als Begründung verwies die Bank auf gesetzliche Verpflichtungen, darunter die unverzügliche Meldung verdächtiger Aktivitäten gemäß Finanzvorschriften. Die DKP warf der GLS „vorauseilenden Gehorsam“ vor und unterstellte, die Bank stelle ihre US-Geschäfte über politische Neutralität. Als Reaktion kündigte die DKP an, zu den öffentlichen Sparkassen in Deutschland zu wechseln, die gesetzlich verpflichtet sind, Konten anzubieten und nicht ablehnen dürfen.
Die Kontoschließungen lösten breite Empörung aus, darunter Proteste und einen offenen Brief der Initiative „Stoppt Debanking“. Unterstützt wurde die Kritik unter anderem von der Umweltschutzgruppe Robin Wood, dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und lokalen Gliederungen der Linkspartei. Unterdessen stoppte ein Gericht vorläufig die geplante Kontoschließung der Roten Hilfe, einer linken Rechtshilfeorganisation, durch die Sparkasse Göttingen – während die GLS Bank bestätigte, dass die Konten der Roten Hilfe bei ihr weiterhin bestehen bleiben.
Auf der Mitgliederversammlung der GLS Bank, die im Rahmen eines Nachhaltigkeitsfestivals in Bochum stattfand, stimmten 676 von 720 Anwesenden für die Beibehaltung des aktuellen Vorstands. Auch der Aufsichtsrat unter der scheidenden Vorsitzenden Irene Reifenhäuser-Karnath erhielt starke Zustimmung. Das dreiköpfige Führungsteam – ohne die ehemalige Sprecherin Aysel Osmanoğlu – wurde von Vorwürfen freigesprochen. Die Bank betonte, ihre Entscheidungen seien rein regulatorisch und nicht politisch motiviert, und führte Gespräche mit betroffenen Kunden, um die Transaktionsregeln zu klären.
Die Kontroverse zwingt die GLS Bank, sich zwischen gesetzlichen Anforderungen und öffentlichem Druck zu behaupten. Zwar genießt sie nach wie vor breite Unterstützung ihrer Mitglieder, doch die Folgen treiben einige Gruppen in die Arme alternativer Banken. Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Spannungen zwischen finanzieller Compliance und politischer Neutralität im deutschen Bankensektor.






