Kürzere Arbeitszeiten im Nahverkehr – doch wer zahlt die Rechnung?
Sebastian HuberKürzere Arbeitszeiten im Nahverkehr – doch wer zahlt die Rechnung?
Ein neuer Tarifvertrag sieht eine Verkürzung der Arbeitszeiten im öffentlichen Nahverkehr vor – bei unveränderten Löhnen. Das Abkommen soll den Beruf attraktiver machen und dringend benötigtes Personal gewinnen. Ungeklärt bleibt jedoch, wie die Änderungen finanziert werden sollen.
Laut Vereinbarung werden die wöchentlichen Arbeitszeiten schrittweise reduziert. Bis Juli 2027 sinkt die Wochenarbeitszeit von 39 auf 38,5 Stunden, bis Juli 2028 weiter auf 38 Stunden – ohne Lohnkürzungen. Zudem werden die Rechte von kurzfristig Beschäftigten gestärkt: Gesetzliche Ruhezeiten werden ausgeweitet, und die Sonntagszuschläge steigen. Für die Verkehrsbetriebe bedeutet dies höhere Kosten, da möglicherweise mehr Personal benötigt wird, um den Fahrplan aufrechtzuerhalten.
Wie die Mehrkosten gedeckt werden sollen, ist noch offen. Zur Diskussion stehen öffentliche Zuschüsse, Mittel von Bund und Ländern oder höhere Ticketpreise für Fahrgäste. Vor dem Tarifabschluss lagen die durchschnittlichen Bruttomonatsgehälter von Bus- und Bahnfahrern in Nordrhein-Westfalen bei etwa 2.450 Euro (rund 13,67 Euro pro Stunde bei einer 40-Stunden-Woche) – deutlich unter dem bundesweiten Median von 3.522 Euro (19,62 Euro/Stunde). In einigen Stellenausschreibungen wurden zwar Stundensätze von 16 Euro angeboten, doch ein direkter Vergleich mit anderen Branchen fehlte.
Eine sofortige Preiserhöhung für Tickets gilt als unwahrscheinlich, langfristig könnten Fahrgäste jedoch mit Anpassungen rechnen. Die Debatte über Bezahlbarkeit und Zukunft des öffentlichen Nahverkehrs hat gerade erst begonnen. Höhere Personalkosten und zusätzliche freie Tage werden die Haushalte belasten – die Finanzierung bleibt die zentrale Herausforderung.






