NRW-Polizei setzt auf OSINT: Digitale Ermittler jagen Online-Kriminelle
Emil SchmittNRW-Polizei setzt auf OSINT: Digitale Ermittler jagen Online-Kriminelle
Nordrhein-Westfalens Polizei baut Open-Source-Intelligenz (OSINT) massiv aus
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen stärkt ihre digitalen Ermittlungskompetenzen mit einem großen Schwerpunkt auf Open Source Intelligence (OSINT). Im Rahmen der Initiative werden Ausbildungsprogramme ausgeweitet und spezialisierte Einheiten aufgebaut, um digitale Beweismittel aus öffentlich zugänglichen Quellen zu sammeln. Damit wollen die Behörden mit der rasanten Entwicklung politisch und kriminell motivierter Bedrohungen im digitalen Raum Schritt halten.
Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) in Neuss vermittelt OSINT-Techniken nun sowohl an Polizeianwärter als auch an erfahrene Beamte. Marc Restemeyer, 37-jähriger Ausbilder beim LAFP, leitet die Schulungen für neue Mitarbeiter des Landeskriminalamts (LKA) sowie für Angehörige der neu gegründeten „Digitalen Streifen“. Diese Teams sind in sechs regionalen Polizeibehörden aktiv und konzentrieren sich auf die Informationsbeschaffung aus sozialen Medien und anderen frei zugänglichen Plattformen.
Das Projekt „Digitale Streife“ startete offiziell im September 2024 und umfasste die Einstellung von zehn neuen LKA-Beamten sowie die Einbindung von fast 100 weiteren Kräften in den Staatsschutzbehörden. Eine der größten Einheiten mit Sitz in Köln wird von Swen Schubert geleitet. Sein Team besteht aus 18 Mitgliedern, darunter 16 Fallbearbeiter, die auf digitale Ermittlungen spezialisiert sind.
Beim Landeskriminalamt (LKA) Düsseldorf verantwortet Fabian Coenen, 42, die Abteilung 22.2, die sich mit OSINT bei politisch motivierter Kriminalität befasst. Seine Einheit ist von einst zwei Mitarbeitern auf 16 Spezialisten angewachsen – ein Team aus IT-Experten, Soziologen und Politikwissenschaftlern. Laura Ellrich, 28, trat 2022 in die Staatsschutzabteilung des LKA ein und wechselte im Herbst 2025 in Coenens OSINT-Team.
Sechs dedizierte Einheiten unterstützen mittlerweile mit OSINT-Ermittlungen bei dringenden Einsätzen im Zusammenhang mit sich schnell entwickelnden politischen Ereignissen. Ihre Aufgabe ist es, sicherzustellen, dass die Strafverfolgungsbehörden auf digitale Bedrohungen schnell reagieren und Beweise aus öffentlich zugänglichen Onlinequellen sichern können.
Der Ausbau der OSINT-Fähigkeiten markiert einen bedeutenden Wandel in der digitalen Ermittlungsarbeit der nordrhein-westfälischen Polizei. Mit geschultem Personal, spezialisierten Einheiten und dem Fokus auf öffentlich verfügbare Daten sind die Behörden besser gerüstet, um Online-Gefahren zu überwachen und zu bekämpfen. Die Initiative steht für die größeren Bestrebungen, die Strafverfolgung in einer zunehmend digitalisierten Welt zu modernisieren.






