Wie Tim Raue in den 1980ern zu den brutalen "36 Boys" aus Kreuzberg stieß
Sebastian HuberWie Tim Raue in den 1980ern zu den brutalen "36 Boys" aus Kreuzberg stieß
Ein neues Buch enthüllt die harte Realität der Berliner Straßenbanden der 1980er-Jahre.„36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ des Journalisten Paul Christoph Gäbler erzählt unter anderem die Geschichte von Tim Raue, der als Jugendlicher zu den berüchtigten „36 Boys“ stieß. Die brutalen Aufnahmerituale und gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Rivalen sind heute Teil einer dokumentierten Geschichte.
Zwischen seinem 14. und 16. Lebensjahr war Tim Raue Mitglied der „36 Boys“, einer Straßenbande aus Berlin-Kreuzberg. Die Gruppe formierte sich aus dem Bedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit ihrer jungen Mitglieder. Doch der Preis für die Zugehörigkeit war hoch.
Neue Rekruten mussten sich einem grausamen Initiationsritual stellen: einem dreiminütigen Kampf gegen zwei bestehende Bandenmitglieder. Raue hielt die volle Zeit nicht durch, weigerte sich aber zu fliehen – trotz der Prügel, die er einstecken musste. Der Kampf hinterließ eine Gesichtsverletzung, eine Narbe, die er bis heute trägt, wenn auch mit einem gewissen Stolz.
Gewalt war ein fester Bestandteil des Bandenlebens. Auseinandersetzungen mit verfeindeten Gruppen waren an der Tagesordnung, und die „36 Boys“ waren oft in Unterzahl, manchmal im Verhältnis zwei zu eins. Raue gibt zu, dass er während der Schlägereien oft den Drang verspürte wegzulaufen, sich aber zwang, standzuhalten – denn wer Angst zeigte, verlor den Respekt der anderen.
Heute lehnt Raue Gewalt ab, doch er erkennt die Denkweise an, die ihn einst an die Bande band. Seine Erlebnisse und die anderer Mitglieder sind nun in Gäblers Buch festgehalten und bieten einen schonungslosen Einblick in ein bewegtes Kapitel der Berliner Vergangenheit.
Das Buch „36 Boys: Wie eine Kreuzberger Bande zur Legende wurde“ fängt eine Zeit ein, in der Straßenbanden wie die „36 Boys“ die Jugendkultur Berlins prägten. Raues Geschichte – von den Aufnahmekämpfen bis zur späteren Abkehr von der Gewalt – liefert einen authentischen Bericht über den Aufstieg und das Erbe der Bande. Die Narben, sowohl die körperlichen als auch die seelischen, bleiben lange nach dem Ende der Kämpfe bestehen.






