Zuckerrüben in der Krise: Warum Bauern immer weniger anbauen und was sie retten könnte
Emil SchmittZuckerrüben in der Krise: Warum Bauern immer weniger anbauen und was sie retten könnte
Deutsche Zuckerrübenbauern stehen vor wachsenden Herausforderungen, da die Produktion zurückgeht und neue Bedrohungen auftauchen. Zwischen 2023 und 2026 sank die mit Zuckerrüben bestellte Anbaufläche um etwa 15 Prozent – von 42.000 auf 35.700 Hektar. Die stärksten Rückgänge verzeichneten Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bayern, wo niedrige Zuckerpreise und Marktveränderungen die Rentabilität der Kultur stark beeinträchtigt haben.
Um die Verluste einzudämmen, setzen die Landwirte zunehmend auf innovative Pflanzenschutzmethoden, darunter neue Herbizide, Fungizide und Biostimulanzien. Diese Lösungen sollen Krankheiten, resistente Unkräuter und sinkende Erträge in einem immer schwierigeren Marktumfeld bekämpfen.
Zu den drängendsten Problemen der Rübenbauern zählen schwerwiegende Unkrautbefälle, der Verlust wichtiger Herbizid-Wirkstoffe sowie Krankheiten wie die Stolbur-Phytoplasmose (SBR) und die Cercospora-Blattfleckenkrankheit. Heftige Ausbrüche dieser Krankheiten können die Zuckererträge um 40 bis 50 Prozent schmälern und die Ernte kaum noch wirtschaftlich machen. Notfallzulassungen für bestimmte Behandlungen haben zwar geholfen, doch die Landwirte bevorzugen langfristige, voll zugelassene Lösungen.
Seit 2026 haben mehrere Produkte – darunter Badge WG, Coprantol Duo und Recudo – die volle Zulassung zur Bekämpfung der Cercospora-Blattfleckenkrankheit erhalten. Erste Versuche zeigen zudem vielversprechende Ergebnisse für neue Lösungen wie Rinpode, ein Herbizid, das hartnäckige Unkräuter wie Hühnerhirse gezielt bekämpft. Mit einer Aufwandmenge von nur 2 Gramm pro Hektar konnte es bereits das Ertragspotenzial der Rüben um 3 bis 7 Prozent steigern und den Zuckergehalt verbessern.
Marius Feldmann, Betriebsleiter bei der Metternich-Ratibor-Corvey KG, betrachtet Zuckerrüben nach wie vor als wichtige Kultur. Allerdings räumt er ein, dass ihre Bedeutung aufgrund niedriger Zuckerpreise, steigender Produktionskosten und der Konkurrenz durch zollfreie Importe im Rahmen des Mercosur-Handelsabkommens schwindet. Ohne bessere Marktbedingungen und zuverlässigen Pflanzenschutz werde der Rückgang des Rübenanbaus voraussichtlich anhalten.
Der Rückgang der Zuckerrübenflächen spiegelt sowohl wirtschaftliche Zwänge als auch agrarische Herausforderungen wider. Zwar bieten neue Pflanzenschutzmittel etwas Entlastung, doch ihr Erfolg hängt von konsistenten Zulassungen und wirksamen Ergebnissen im Feld ab. Angesichts schrumpfender Gewinne und schwierigerer Anbaubedingungen bleibt die Zukunft des deutschen Zuckerrübensektors ungewiss.






